Motor Challenge Schweiz
Energieeffizienzsteigerung für elektrische Antriebe


MotorChallenge Newsletter 2005/1

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Herzlich willkommen zur ersten Ausgabe des Newsletters von Motor Challenge Schweiz. Wir freuen uns Ihnen hiermit einige aktuelle Neuigkeiten rund um das Thema Energieeffizienz bei Antrieben zukommen zu lassen. Gerne möchten wir Sie in kurzer und knapper Form über Trends und Entwicklungen auf diesem Gebiet informieren, die Ihnen als Betreiber, Hersteller, Berater oder Anbieter bei der Entscheidfindung zu kostengünstigen, zuverlässigen und umweltverträglichen Lösungen helfen mögen. Eigentlich ist es ja eine Binsenweisheit: Am umweltfreundlichsten und kostengünstigsten ist diejenige Energie, die gar nicht produziert werden muss. Und trotzdem zeigen die neuesten Zahlen des schweizerischen Elektrizitätsverbrauches, dass das ungenutzte Einsparpotential immer noch zunimmt. Wenn dies nicht ein Ansporn ist!

ProMot: Werkzeuge zur Effizienzverbesserung

Das im Januar 2004 gestartete europäische Projekt mit schweizerischer Beteiligung "ProMot" kommt jetzt in eine entscheidende Phase: Die bisher zusammengetragenen Dokumente, Empfehlungen und Tools werden in einer speziell dafür geschaffenen Web-Seite einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Betreiber elektrischer Antriebe sollen damit die Energieeffizienz ihrer Anlagen einfacher beurteilen und wirkungsvolle Verbesserungsmassnahmen selbst evaluieren können. Konkret will man

  • den Einsatz von Hocheffizienzmotoren und drehzahlvariablen Antrieben mit Frequenzumrichter fördern,

  • die Auslegung, Installation und der Betrieb von Pumpen, Ventilatoren, Kompressoren und Kühlaggregaten bezüglich Energieeffizienz durch einfache Massnahmen optimieren und

  • die Kühlungs- und Lüftungseffizienz in Dienstleistungsgebäuden verbessern helfen.

Nebst allgemeinverständlich gehaltenen Beschreibungen und Tipps werden verschiedene, frei herunterladbare Softwarepakete angeboten:

  • IMSSA (International Motor Selection and Saving Analysis): die kosten- und energie-effiziente Auswahl von Motoren, ein von der Washington State University entwickeltes Paket mit einer umfangreichen, herstellerübergreifenden Datenbank,

  • Pump/VSD-Modul: berechnet die Wirkungsgradkategorie bestimmter Pumpentypen und die erzielbaren Einsparungsmöglichkeiten beim Einsatz von EFF1- anstelle von EFF3-Motoren sowie beim drehzahlvariablen Betrieb mit Frequenzumrichter,

  • Chillers-Modul: die energie-effiziente Auswahl von Kühlaggregaten mit herstellerübergreifender Datenbank, entwickelt von der TU Athen (NTUA) mit Unterstützung von Eurovent/Cecomaf

  • CAS-Modul: ein einfaches Online-Berechnungsprogramm für die Energieeffizienzverbesserung von Druckluftanlagen (ADEME, E. Blaustein)

Ursprünglich war geplant, dass das Pumpenmodul ebenfalls eine Datenbank anbieten sollte. Aufgrund von Diskussionen mit Europump und VDMA musste jedoch vorderhand darauf verzichtet werden.

Sobald die jetzt laufende Testphase abgeschlossen ist, es dürfte sich um ein paar wenige Wochen handeln, werden wir Sie über die genaueren Details informieren.

Energie-Label für Heizungspumpen

Etwa 15 Prozent des Strombedarfs eines durchschnittlichen Haushalts wird von der Heizungspumpe in Anspruch genommen. Zur Zeit entspricht der Energieverbrauch der Heizungspumpen pro Jahr etwa dem aller Waschmaschinen in der Europäischen Union. Schätzungen zufolge könnte der Verbrauch durch den Einsatz Energie sparender Pumpen bis zum Jahr 2020 europaweit um 44 TWh gesenkt werden, die CO2-Emissionen um 17,6 Mt.
Energie-Label für Pumpen/Pumpenhersteller verpflichten sich zur Energie-Kennzeichnung (2005-3-10)

Vor diesem Hintergrund haben Europas führende Hersteller von Heizungspumpen sich zu einer einheitlichen Kennzeichnung des Energie-Verbrauchs verpflichtet. Das Energie-Label kennen Endverbraucher schon von Kühlschränken und anderen Haushaltsgeräten: In Energie-Stufen von A bis G klassifiziert es die Verbrauchsdaten der Pumpen verständlich und übersichtlich.

Das Label entstand in einer Kooperation des Verbands europäischer Pumpenhersteller Europump mit der Wilo AG, Grundfos und anderen führenden Pumpenherstellern. Gemeinsam haben diese das Verfahren zur energetischen Klassifizierung entwickelt, mit dem künftig - als freiwillige Selbstverpflichtung - bei allen Nassläufer-Heizungspumpen der teilnehmenden Hersteller die Energieklasse festgestellt werden soll. Bisher haben sich vier Unternehmen zur neuen Kennzeichnung bekannt.

Bei diesem Verfahren wird die elektrische Leistungsaufnahme der Pumpe ins Verhältnis gesetzt zu der Leistungsaufnahme einer durchschnittlichen Pumpe gleicher hydraulischer Leistung. Obwohl die energetischen Anforderungen an eine Pumpe der Klasse A sehr hoch sind, sind heute für größere Wohn- und Industriegebäude Pumpen der besten Energieklasse bereits verfügbar. Auch im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser haben A-Klasse-Pumpen die Marktreife erreicht und werden ebenfalls in 2005 erhältlich sein.

Möglich macht das die Generation neuer elektronisch kommutierter Gleichstrommotoren, mit denen Nassläuferpumpen höchster Effizienz realisiert werden können. Diese Wilo-Pumpen haben den Maßstab für Pumpen der Klasse A vorgegeben. Zwischen zwei benachbarten Energieklassen liegen rund 20 Prozentpunkte Differenz. Eine Pumpe der Energieklasse A benötigt demnach durchschnittlich nur etwa ein Drittel der elektrischen Energie einer Pumpe der Klasse D.

Das neue Label wurde auf der ISH 2005 in Frankfurt vorgestellt. Bei Gebäudebetreibern, Planern und Verarbeitern soll mit der augenfälligen Kennzeichnung mehr Bewusstsein für energieeffiziente Technologien geschaffen werden.

(Quelle: baulinks.de)

Kommentar: Das Berechnungsverfahren ist relativ komplex, insbesondere für drehzahlgeregelte Pumpen, und basiert u.a. auf dem Arbeitspunkt der maximalen hydraulischen Leistung. Die A bis G-Klassierung funktioniert wie bei den bekannten Energie-Etiketten für Haushaltgeräte; der Effizienzindex reicht von EEI < 40% (A) bis EEI > 140% (G) bezüglich der Referenz-Leistungsaufnahme 100% (Grenzwert D/E). Wir begrüssen die Kennzeichnung, hoffen, dass bald viele Pumpen das Label aufweisen und werden darauf zurückkommen.

Start des europäischen Motor Challenge Folgeprojekts

Nach langwierigen Vorbereitungen und vielen Versionen des Proposals ist nun das Projekt "Dissemination, Extension and Application of the Motor Challenge Program" DEXA-MCP mit einem Kick-off Meeting in Brussel (31.3./1.4.05) offiziell gestartet. Die Schweiz ist am Projekt nicht direkt beteiligt, das MCP-CH Team wird aber laufend mit den Informationen versorgt und wird im Newsletter gelegentlich darüber berichten. Wie der Projektname sagt, sind die Hauptziele des Projekts die Verbreitung des Wissens über Effizienz bei Antrieben. Als Erweiterungen werden neue MCP-Module für die Bereiche industrielle Kühlung sowie industrielle Elektrizitätsverteilung (mit Schwerpunkt Verteiltransformatoren) entwickelt.

EEMODS'05

EEMODS Conference 2005 - Energy Efficiency in Motor Driven Systems, 5. - 8. Sept. 2005 in Heidelberg (D).

Jedes zweite Jahr findet die massgebende internationale Konferenz zu Effizienz bei Antriebssystemen statt; die letzte war 2003 in Treviso bei Venedig. Wiederum sind auch verschiedene Beiträge aus der Schweiz gemeldet.

Nähere Informationen erhalten Sie unter www.eemods.de

Anregungen und Hinweise

Sehr gerne nehmen wir Ihre Anregungen und Hinweise entgegen. Bitte richten Sie diese an Jürg Nipkow oder Ronald Tanner (Adressen siehe Impressum). An- und Abmelden von diesem Newsletter können Sie sich unter www.motorchallenge.ch/newsletter/newsletter.php

Impressum


Jürg Nipkow
dipl. El. ing ETH/SIA
 ARENA
Schaffhauserstrasse 34
 CH-8006 Zürich
 Tel./Fax  044 362 91 83


Ronald Tanner
Dr. sc. techn. ETH
SEMAFOR Informatik & Energie AG
Sperrstrasse 104 B
 CH-4057 Basel
Tel. 061 690 9888 / Fax: 061 690 9880